BLICKWEXEL-BLOG zu Foto & Video, Medien und Pädagogik


25/03/2010

DSLR für aktuelle Dokumentation, Videojournalisten, News und Webvideo

Abgelegt unter: Foto, Video — admin @ 23:11

Mit Aufsatzmikrofon
Das Drehen mit einer Digitalen Spiegelreflexkamera (DSLR), die primär ein Fotoapparat ist, ist schon bestechend. Weniger Equipment, dafür gleichzeitig Fotos und Videofilm realisieren. Geht das wirklich? Meine Erfahrung zeigt, dass es geht, allerdings kommt es sehr auf die Situation und die Qualitätsansprüche an.

  • Bei aktuellen Geschehnissen verpasst man schnell mal etwas, wenn man sich nicht schon im Vorfeld entschieden hat, was man drehen will
  • Das Umdenken zwischen sequentiellen Videoaufnahmen und punktuellen Fotoaufnahmen braucht Übung, ist jedoch machbar.
  • Das Konzept sollte man schon einigermassen flexibel im Kopf haben, aber nicht zu starr nach Drehplan vorgehen, um auf unvorhergesehene Momente aufmerksam zu sein.

Dass man auch auf unerwartete Situationen vorbereitet sein sollte, zeigt die nachfolgende Bildsequenz aus dem Video:

sequenz polizei bei Demo
Der Polizeieinsatz führte am Rande der Demo zur Verhaftung einer jungen Frau wegen Sprayereien. Die Bildsequenz ist aus der Videoaufnahme mit 1920×1080pixel mit 25p entnommen; die Bewegungsunschärfe resultiert aus der Belichtungszeit von 1/30 s pro Bild bei 100 ISO und Blende 8 bis 11.


Welches Equipment habe ich eingesetzt, welche Ansprüche stellt man an sich und sein Material ?

Als Reserve und Zweitkamera habe ich einen Canon G20 Harddisk-Camcorder auf einem Manfrotto Stativ eingesetzt.

Der Dreh mit der Fotokamera – Keep it simple
Zunächst einmal ist eine Umgewöhnung in der Handhabung der Kamera nötig. Auf die ganze Aufrüstung von DSLRs für szenisches Drehen mit dem Sucheraufsatz, Stützrohren, Kompendium, Filtern etc. habe ich aus Flexibilitätsgründen verzichtet. Schliesslich muss ich mein ganzes Equipment alleine tragen und mobil bleiben.

rode-videomic.jpg

Für ein aktuelles Webvideo habe ich mit einer Canon EOS 7D mit Weitwinkel 10-20mm, 17-85mm, Telezoom 70-200mm und Stereo-Handmikrofon gearbeitet. Als Schulterstütze kommt ein uraltes Schulterstativ von Kaiser zum Einsatz.
Schulterstativ Kaiser

Die EOS 7D verfügt über deen “Movie-Modus”. Durch das Betätigen einer Schnellstarttaste beginnt die Spiegelreflexkamera in jedem Modus direkt mit der Aufzeichnung eines Full-HD-Films. Damit wechselt man aus der Fotoeinstellung sofort in eine Videoaufnahme. Während der Videoaufnahme kann man auch fotografieren. Auf dem Videofilm ist für eine Sekunde ein Standbild, dazu ertänt ein Auslösegeräusch.

7d movie button

Der Videomodus kann, wenn der Programmwahlmodus auf Manuell steht, komplett manuell gesteuert werden. In den anderen Modi P, A, T wird die Movieaufnahme automatisch belichtet. Dies kann zu störenden Helligkeitssprüngen und (leisen) Blendenmotorgeräuschen führen, weil die Blende unvermittelt von der Automatik nachgeregelt wird. So können Belichtung und Bildfrequenz manuell zum Beispiel auf 24, 25 oder 30 Bilder pro Sekunde eingestellt werden. 24 Bilder pro Sekunde tragen dazu bei, das typische Kinofeeling zu erzeugen.

Für einen sauberen Ton steht neben dem internen Mikrofon, das auch gut die Handhabungs- und Umgebungsgeräusche aufnimmt, ein Mini-Klinkenanschluss für ein externes Mikrofon zur Verfügung. Gibt es ein Funk-Mikrofon mit Mini-Klinkenanschluss dazu? Wenn jemand Tipps hat, sind sie willkommen. Einen professionellen XLR-Anschluss sucht man an der EOS 7D vergebens. Ebenso eine Pegelanzeige.

Eignet sich nun aber eine Spiegelreflexkamera wirklich zum Filmen? Sowohl füpr die Produktion von kleinen Videoclips fürs Web, wie auch für den VJ-Einsatz ist die EOS 7D durchaus einsetzbar und hinterlässt im heissen Praxistest einen erstaunlich flexiblen Eindruck bei sehr guter Videoqualität, so dass man in vielen Situationen wirklich auf einen separaten Camcorder verzichten kann. Auf einem Stativ mit anständigem Stativkopf (Manfrotto oder Sachtler) sind sowohl fixe Einstellungen für Interviews als auch Schwenks sehr gut durchzuführen. Schön ist, dass man manuell Zoomen kann und damit z. B. wieder Reisszooms möglich werden, die mit den heutigen Prosumer-Camcordern nicht möglich sind.

Für das Filmen sind schnelle und ausreichend gross bemessene CF-Karten mit UDMA 60MB/s Lese-und Schreibgeschwindigkeit von Vorteil, damit man auch grosse RAW-Fotos während des Filmens aufnehmen kann. Ansonsten sind Zwangspausen unumgönglich.

Einschränkend ist auch die Längenbeschränkung der Videoaufnahmen.

Fazit: Für Videoclips und Webvideos, Interviews auf der Strasse ist die Canon EOS 7D als VJ-Cam geeignet.
Der fertige Videobeitrag ist hier.

Exemplarisch beantwortet der umfangreiche Blog r73.net den Vergleich zwischen DSLR und Drehen mit einer Videokamera plus 35mm Adapter.
Auch dieser Artikel von Markuszitt.ch beschäftigt sich mit DSLR als Filmaufnahmegerät.

Weitere VJ Seiten.
Lars Klatte aus Bremen: http://www.analythis.net/category/tutorials/
Alexander Bentzien http://www.alexbentzien.com/

Natürlich lässt sich eine DSLR Modular mit jeder Menge Zubehör zum Schultercamcorder aufpeppen.
Dazu gibt es viele vor allem amerikanische Blogs und Videos. Irgendwann droht meiner Meinung nach der “Gadget-Overkill”.
Ich arbeite lieber mit übersichtlichem Equipment, “keeping it simple“, und versuche möglichst das Beste daraus zu machen.

drahtlos G 3 Sennheiser

Ergänzung: Ein empfohlenes wireless Mikrofonset wäre das Sennheiser G 3. Bleibt noch zu testen.

Weitere Ergänzung: Nun arbeite ich mit einem Rode Stereo Videomic.

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